Vortrag zum Hirntod aus der Perspektive des Neurologen
Mittwoch 12. Februar @ 19:00

Die aktuelle Ausstellung des Deutschen Medizinhistorischen Museums handelt von der alten Angst des Menschen, lebendig begraben zu werden. Im 18. Jahrhundert prägte man dafür einen neuen Begriff: „Scheintod“. Die Angst vor dem Scheintod war damals nicht unberechtigt. Erst seit der Erfindung des EKG-Gerätes kann sicher nachgewiesen werden, ob ein Herz noch schlägt oder nicht. Die moderne Medizintechnik hat dem „alten“ Scheintod damit den Stachel genommen. Gleichzeitig entstand durch die Möglichkeiten der Intensivmedizin im 20. Jahrhundert eine neue Zwischenform zwischen Leben und Tod: Menschen, bei denen keine Gehirnfunktion mehr nachweisbar ist und bei denen das Herz noch schlägt, können durch künstliche Beatmung am Leben gehalten werden. Auch dafür wurde ein neuer Begriff geschaffen: „Hirntod“.

1968 wurde durch Juristen und Ärzte festgelegt, dass der Hirntod mit dem Tod des Menschen gleichzusetzen sei. Einem hirntoten Menschen dürfen in Deutschland Organe entnommen werden, sofern die Einwilligung zur Organspende vorliegt. Doch geht die Gleichung „Tod = Hirntod” auf? Oder ist der Hirntod der „Scheintod der Moderne”?

2015 hat sich der Deutsche Ethikrat ausführlich mit dieser Frage beschäftigt und im Kern zwei gegensätzliche Positionen herausgearbeitet: nach der Mehrheitsmeinung der Mitglieder des Ethikrats ist der „Hirntote“ ein „toter Mensch mit künstlich aufrechterhaltenen Körperfunktionen“ – die Gegenposition sieht in ihm einen lebenden Menschen ohne Gehirnfunktion.

Diese Frage wird in den beiden Vorträgen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und kontrovers diskutiert.

Eintritt frei

—————————

Zum Referenten:
Professor Dr. med. Dipl. Psych. Frank Erbguth ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Neurologische Intensivmedizin und Neurologische Geriatrie. 1998 wurde er C3-Professor an der Neurologischen Universitätsklinik in Erlangen, seit 2001 ist er Chefarzt der Neurologischen Klinik in Nürnberg einschließlich „Stroke Unit“ und Intensivstation. Zu seinen Schwerpunkten als Forscher und Arzt gehören zerebrovaskuläre Erkrankungen, neurologische Intensivmedizin, Bewegungsstörungen und Medizinethik.

via dmm-ingolstadt.de
Links
Webseite der Veranstaltung keyboard_arrow_right Medizinhistorisches Museumkeyboard_arrow_right
Mit Freunden teilen
WhatsApp Facebook
Erinnerung
Im Kalender speichern
Medizinhistorisches Museum
Anatomiestraße 18 – 20
85049 Ingolstadt
place Auf Google Maps zeigen