Vortrag zum Tag der Opfer des Nationalsozialismus: NS-„Euthanasie“ und Hirnforschung
Montag 27. Januar @ 19:00

Die wissenschaftliche Verwertung von Gehirnen und anderen Körperteilen von NS-Opfern, insbesondere von „Euthanasie“-Opfern, war während des Krieges und in der Nachkriegszeit selbstverständliche Routine.
Erst seit den 1980er Jahren gibt es eine gestiegene Sensibilität im Umgang mit Präparaten von NS-Opfern in wissenschaftlichen Sammlungen deutscher Forschungsinstitutionen. Allein über die Prosektur der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie in der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar sind Präparate von über 500 Patientinnen und Patienten, die in den Jahren 1939 bis 1945 in der Anstalt verstorben sind, an die Deutsche Forschungsanstalt in München-Schwabing gelangt. In der Max-Planck-Gesellschaft glaubte man, das Problem durch die anonyme Bestattung von Präparaten aus dem MPI für Psychiatrie (München) und dem MPI für Hirnforschung (Frankfurt/Main) im Februar 1990 auf dem Münchner Waldfriedhof gelöst zu haben. Neuere Funde im Archiv der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin und im MPI für Psychiatrie in München zeigen jedoch, dass dort immer noch Präparate von NS-Opfern vorhanden sind. Ein laufendes internationales Forschungsprojekt versucht nun, die Opfer unethischer neuropathologischer Forschung in Instituten der Max-Planck-Gesellschaft im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit zu identifizieren und die Forschungsnetzwerke zu rekonstruieren, die die wissenschaftlichen Verwertung von NS-Opfern

Zu den Referenten:
Professor Dr. med. Gerrit Hohendorf ist außerplanmäßiger Professor an der TU München und Leiter des Arbeitsbereichs Medizingeschichte am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin. Er ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (2002) und leitet das Motivationsprogramm für Patienten mit Abhängigkeitserkrankungen auf der Abteilung für Klinische Toxikologie am Klinikum rechts der Isar der TU München. Er arbeitet zu den Voraussetzungen, zur Realgeschichte und zu den Nachwirkungen der Medizin im Nationalsozialismus, zur Geschichte und Ethik der Psychiatrie sowie zu aktuellen ethischen Fragen am Lebensanfang und am Lebensende aus einer historischen Perspektive.

Dr. phil. Philipp Rauh studierte Geschichte und Deutsche Literatur in Konstanz und Berlin. Er arbeitete in verschiedenen Forschungsprojekten, die sich mit der Geschichte von Ärzten und Patienten zur Zeit der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus beschäftigten. Aktuell ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der TU München im internationalen Kooperationsprojekt zur „Hirnforschung an Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Kontext nationalsozialistischer Unrechtstaten“.

Dauer ca. 60 min., Eintritt frei, keine Voranmeldung

Photo: Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, ca. 1928 (Historisches Archiv des MPI für Psychiatrie, München)

via dmm-ingolstadt.de
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